Pleiten, Pech und Lernen – Musiker zum Thema Abgestumpfheit – ein Querschnitt

Mal eher etwas zum Nachdenken. Was erwarten eigentlich Musikfans, wenn sie aus dem Haus gehen? Hier mal ein Querschnitt nach mehreren Gesprächen mit Redakteuren, DJs, Musikern und auch Fans – und was dabei herauskam.

Im Allgemeinen

Betrachten wir es mal ganz nüchtern und stümper-psychologisch: Jede Gesellschaft hat ihre Werte. Welche das nun sind und über ihren Sinn – darüber kann man streiten bis zum Sanktnimmerleinstag. Die Grundsätzlichen darunter haben aber durchaus ihre Daseinsberechtigung. Nehmen wir nur mal die lästige Sache mit dem Gewissen: Haben tut es jeder, wollen aber tut es keiner mögen.

Und nutzte man früher die Handlungen und Einstellungen der Mehrheit um sich herum noch als Rechtfertigung für sich selbst (à la „wenn die anderen das tun, darf ich das doch auch, oder?“), und stopfte damit dem kleinen Teufelchen auf der Schulter das Maul, gewinnt man heute eher den Eindruck, manch einer bräuchte das Verhalten anderer nicht mehr als lächerliche und jeder Grundlage entbehrende Absolution, sondern eher als Motivation.

Herdentiere

Man guckt sich um, was die Leutchen im Umkreis so bauen, stellt fest, dass die meisten eine gewisse Verhaltensschiene verfolgen und findet sich in der irrsinnigen Idee wieder, dass exakt dieses Benehmen, diese Einstellung das Nonplusultra sein muss. Angepasst und nachgemacht ist gleich. Was dieses Beispiel nun mit Musik zu tun hat? Nun, nicht wenige Künstler beobachten und kommentieren dies auch in ihren Songs. Und egal, in welche Musikrichtung mal blickt, dieses Thema kommt doch immer wieder zur Sprache: Die Passivität und Angestumpftheit der Gesellschaft kam.

Keine Szene ist gefeit

Diese Entwicklungen in den Gesprächen war durchaus verblüffend, denn schließlich ist ja Musik nur Entertainment. Weit gefehlt. Kann man daraus also schließen, dass eine ähnliche Einstellung zu Dingen wie Musik auch eine bestimmte, kritische Einstellung mit sich bringen kann? Wäre schön, stimmt aber so nicht, auch wenn die eigensinnigen Rockleute glauben, irgendwo doch alle ein wenig seelenverwandt zu sein. Mitläufer, Abzocker und Wichtigtuer gibt es auch hier: Bei den „Fans“, den „ehrlichen“ Musikern und auch im geschäftlichen Bereich drum rum. Das sind die Leute, die sich über kurz oder lang den berühmten Todesstoß versetzen. Der wahre Metaller/Rocker erkennt Unehrlichkeit auf den ersten Blick. Schmarrn.

Geheuchel in der Musik

Nimmt man selbst mal die ganzen Maden im Speck aus der Suppe, stellt man sich dann erstmal die Frage: Wo sind unsere „Helden“? Diejenigen, die zum einen wirklich ihre Meinung leben und vertreten und zum zweiten dabei nicht nur dumpfsinnigen Dünnpfiff verzapfen? Oder besser gefragt: Diejenigen, die sich ihrer Meinung und Einstellung auch sicher sind? Da lichtet sich der Wald dann schon ein wenig, gell?! Gary Hughes von Ten hat das Kind beim Namen genannt: Warum zum Henker sagt fast jeder, man müsse mehr für die Rock-Szene tun und lamentiert durch den Gemüsegarten, wie schlecht doch die Welt zum lieben Rock´n´Roll ist, nimmt aber seinerseits nichts in die Hand?

Musik als Spiegel

Tja, bittere Pillen, aber: Das Maul aufmachen können Fische auch. Handeln ist gefragt. Wer die Szene verbessern möchte, sollte doch dann bitte seinen müden Hintern in die Gänge bringen. Und sich vorher darüber klar werden, ob man sich damit überhaupt wirklich auseinander setzen will. Wer in dieser Richtung, sei es an Clubs, Veranstaltungen, Konzerten, mehr geboten bekommen möchte, braucht nicht zu warten, bis der liebe Nikolaus kommt und alles aus seinem Sack zaubert. Der wird einem dann höchstens über die Rübe gestülpt mit den sonoren Worten: „Nutzt eh nix!“ Hier bietet die Musik mal wieder ein gutes Beispiel für unseren allgemeinen Umgang mit allem, was das Leben so bereithält: Sich fügen aber jammern. Kritisieren aber nichts ändern. Etwas bewegen kann man ja nicht.

Tausendmal gehörtes Blabla. Dieses Geschreibe soll nun kein Aufruf sein, die Musikszene zu revolutionieren, es spiegelt lediglich die Meinungen selbst der Künstler wieder. Das wäre zwar mal nötig, aber lassen wir das fürs Erste. Im Wesentlichen stellt sich eine ganz andere Thematik: Sind wir überhaupt noch in der Lage, selbst zu entscheiden, was wir wollen und warum? Man kann in einer verzwickten Situation schnell und leicht eine Entscheidung treffen, wenn sie einem abgenommen wird. Und sei es nur durch Kartenlegen. Im Fall der falschen Entscheidung muß man zwar auch mit den Konsequenzen leben, kann sich selbst aber jeder Verantwortung entbinden. Supi! Leute, denkt endlich mal. Zum Spaß hat der Jenseits-Präsi das Hirn nicht erfunden. Und zum Wegsaufen auch nicht. Meistens tun uns nicht die anderen weh, sondern wir selbst.

Und wenn mal glücklicherweise was gut läuft, brauchen wir uns auch nicht gleich mit Eigenlob der Marke Stinkfaktor überschütten. Es ist irgendwo schlimm, daß wir anscheinend an einem Punkt angekommen sind, an dem wir Medien, Radios, dem TV und der Allgemeinheit mehr Vertrauen schenken als uns selbst. Klar ist Zweiteres insofern anstrengender, weil man sich dazu erstmal selbst einschätzen können müßte. Scheiße g`laufen. Die Person, die einen an der Hand nimmt und einem mögliche Wege im Leben zeigt, unseren ganz persönlichen Helden, finden wir nicht auf der Bühne, einem weißen Pferdl oder im Container. Der wuselt in einem selbst rum. Meinetwegen: Sollen sie einen doch mit dumpfsinniger Musik, Big Brother und Fast-Food-Leben zuscheißen. Wer seinen Weg gefunden hat, hat dafür nur noch ein müdes Lächeln übrig, und läßt sich nicht davon beeindrucken. In dem Fall hat man andere Werte, als sich über Mist aufzuregen: Nämlich die Eigenen. Und die zählen wirklich. Vorgelebte Dummheit erzeugt nicht zwangsläufig Volksdummheit. Genau wie Gewalt nicht Gegengewalt erzeugen muß. Genau wie harte Musik nicht harte Menschen aus uns macht. Vielleicht intensivere Menschen. Aber auch nur dann, wenn wir lernen wollen, wie man richtig mit gewonnen Eindrücken, Gefühlen und Erlebnissen umzugehen hat. Eine gewisse Verantwortung liegt sicher bei den Menschen, die versuchen, ebensolche aus uns zu machen: Eltern, Lehrern,…. Aber unsere Selbstverantwortung ist ungleich größer und entscheidender. Und selbst hier kann einem die Musik einen Schubs in die richtige Richtung geben.

Eure Redaktion

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